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  Gestaltung: Uwe Bethke
  Stand: 30.8.2009


 

Lesen Sie hier:   >>  Zeitungskritiken zum Konzert am 11.12.2006

Transatlantische Beziehungen mit echtem Tango-Klang

(Ada Gosling im Interview mit Fragen von Julia Förch)

In Stuttgart hat sich ein Quintett aus professionellen Streichern und dem Berliner Banoneónspieler Peter Reil formiert, das Kompositionen von Ramiro Gallo außerhalb Argentiniens spielt. Die Initiatorin Ada Gosling erzählt über die Herausforderung, als klassisch ausgebildete Geigerin Tango zu spielen.


JF: Ada, klassische Musik ist dein Beruf. Du bist Geigerin beim weltweit renommierten Radiosinfonieorchester Stuttgart des Südwest Rundfunks (SWR). Nun hast du in Stuttgart mit drei deiner Kollegen und dem Bandoneónisten Peter Reil aus Berlin ein Konzert mit Tango-Arrangements und Kompositionen von Ramiro Gallo – bis vor kurzem erster Geiger von El Arranque – gegeben. Wie kamst du dazu, Tango zu spielen?
AG: Bei der Tango-Biennale von Alfredo Alderete (Academia del Tango, Stuttgart) hatte ich durch Kontakte mit argentinischen Musikern von El Tranvia vor etwa fünf Jahren meinen ersten Tango-Auftritt. Kurz darauf wohnten Mitglieder von El Arranque bei mir, darunter Ignacio Varchausky. Er lud mich nach Buenos Aires zu seiner damals neu eröffneten 'Orquesta Escuela' ein. Dort verbrachte ich drei Monate, hatte Unterricht bei Ramiro Gallo und probte vier mal pro Woche mit dem Orchester unter der Leitung von Emilio Balcarce.

JF: Was muss eine klassische Geigerin beachten, wenn sie Tango spielt?
AG: Abgesehen davon, dass es einige tangospezifische Effekte wie die chicharra (Kratzen hinter dem Steg) oder das tambour (geräuschvolles Pizzicato) gibt, ist die Melodiegestaltung im Tango anders. Bei der klassischen Musik werden Melodien eher mit sattem Ton gespielt, im Tango dagegen phrasiert man bestimmte Töne etwas ab, wodurch eine große Expressivität erzeugt wird. Zudem sind einige Begleitfiguren sehr akzentuiert zu spielen. Für klassische Musiker ist die Kürze und Härte solcher Akzente äußerst ungewohnt. Hinzu kommt das Rubato, das im Tango seine ganz spezielle Tradition hat und nicht immer in den Noten vermerkt ist. Klanggebung, Rhythmus und Artikulation erfordern also Erfahrung.

JF: In Deutschland gibt es mittlerweile einige Musiker, die sich dem Tango widmen. Was ist dein Anliegen?
AG: Wichtig ist mir der professionelle Anspruch. Ich will Tango spielen, der nicht so klingt, als sei er schnell, schnell vom Blatt gespielt, sondern im Ensemble Kompositionen richtig erarbeiten. Deshalb gehe ich vom Streichquartett aus, das für mich die vollkommene Besetzung für Streicher darstellt. Dazu kommt das Bandoneón, das zwingend zum Tango gehört.

JF: Deine Wahl fiel auf Peter Reil aus Berlin. Warum? Du hättest Bandoneoónisten aus Süddeutschland finden können?
AG: Mir war wichtig, dass Peter Reil einen Bezug zu Ramiro hat. Da er selbst ein Jahr in Argentinien gelebt hat und bei Gründung der Gruppe El Arranque deren erster Bandoneónist war, konnte ich mir sicher sein, dass er einen ähnlichen Anspruch an die Tangomusik hat wie seine argentinischen Kollegen. Außerdem komponiert und arrangiert er selbst Tangos und bringt daher auch in dieser Hinsicht ein umfassendes Verständnis und Erfahrung in der Zusammenarbeit mit.

JF: Ramiro Gallo hat zwei Stücke speziell für dich geschrieben. Macht dich das zur Repräsentantin seiner Musik in Europa?
AG: Es ist schon ein zentrales Anliegen, Ramiro Gallo als Komponist von Europa aus zu unterstützen. Seine Stücke sind sehr anspruchsvoll. Obwohl sie in der Tangomusik verankert sind, handelt es sich dabei um zeitgenössische Kompositionen. Eine echte Herausforderung – übrigens selbst für argentinische Tango-Musiker.

JF: Hilft es dir bei deiner musikalischen Arbeit, dass du selbst seit vielen Jahren Tango tanzst?
AG: Ja, unbedingt. Dadurch kenne ich die klassischen Tangos sehr gut, die oft der Ausgangspunkt für die Arrangements sind.

JF: Euer Konzert kam beim Publikum sehr gut an. Wie geht es weiter? Setzt sich die Zusammenarbeit fort?
AG: Das haben wir vor. Wir wollen unser Programm erweitern und dann eine CD aufnehmen.

Die Musiker der Gruppe:
Ada Gosling, Violine
Insa Andrea Fritsche, Violine
Janis Lielbardis, Viola
Fionn Bockemühl, Cello
(alle vier Mitglieder des Radiosinfonieorchesters Stuttgart des SWR)
Peter Reil, Bandoneón (Berlin)